Wo bleibt die Zeit?
Es ist bald sieben Jahre die wir nun in Florida leben. Nicht immer ist es einfach und es gab in der Zwischenzeit auch viele Momente wo man am verzweifeln war. In unserem Alter braucht es viel Willenskraft, sich den Problemen nicht einfach zu ergeben und aufzugeben. Die Jahre von 2022 bis heute hatten viele Momente wo so manch anderer sich in den sicheren Hafen der sozialen Absicherung begeben hätte. Aber hat man so hart für einen Traum, auch wenn es nicht der eigene war, gekämpft, lässt man seinen Liebsten nicht im Stich.
Willi liebt Florida schon länger als mich, denn seine Liebe begann 1986 während seines Aufenthaltes mit der Marine hier. Damals wurde der Wunsch geboren, einmal hier zu leben und zu arbeiten. Es hat bis 2016 gedauert, bis der Traum zum greifen nah war und erst 2018 nachdem alle Hürden genommen war, hieß es Florida wir kommen.
Für mich war der vier wöchige Urlaub 2014 erst der Moment wo ich merkte ich könnte hier leben.
Doch Urlaub ist nicht Alltag, man kommt für vier Wochen her, hat sein gesichertes Einkommen, seine gesetzliche Krankenversicherung, sein Haus, ein abgesicherten Leben. Das alles wird über Bord geworfen, wenn man in den Flieger mit vier Koffern, zwei Trolleys, zwei Rucksäcke und 10.000€ Budget steigt.
Vom ersten Tag an war es klar, wir müssen Gas geben, keine Zeit zum Träumen, wenn wir diesen Traum Realität werden lassen wollen. Wir haben Gas gegeben, Willi fand einen Job, ich eine Beschäftigung etwas später und wir haben begonnen unser Leben neu aufzubauen. Bis zur Pandemie lief alles ziemlich gut, doch seitdem hat sich vieles erschwert.
Trotz vieler Hürden, haben wir eigentlich aus dem Nichts was wir mitgebracht haben sehr viel gemacht. Mit Fleiß und enormer Anstrengungen, können wir unser Heim unser eigen nennen. Wir hatten aber auch Glück und dafür sind wir sehr dankbar. Willi seine Chefin ist ein absoluter Glücksgefühl und auch wenn sie viel fordert, sie hat uns schon mehrfach geholfen, durch zinslose Darlehen das erste Auto kaufen zu können, ( auch wenn der Fiesta ein Fiasko war) hat uns beim Hauskauf unterstützt und letztes Jahr uns ein Darlehen für ein neues Dach zur Verfügung gestellt. Diese Hilfe wurde und wird uns nicht geschenkt. Willi arbeitet dafür hart und zahlt jeden Cent zurück. Doch wenn man überlegt solch eine Unterstützung hätte man von seinem Arbeitgeber in Deutschland wohl nicht bekommen.
Auch ich konnte die Erfahrung machen das wir liebe Freunde und Bekannte haben, die uns unterstützen durch Spenden.und so konnte schon einiges vom Dach zurück gezahlt werden.
Wir schauen dankbar auf diese Momente, doch sehen wir auch das noch viel vor uns liegt und da wir nicht jünger werden, ist abzusehen das es nicht leichter wird.
Zudem hat sich vieles negativ verändert, die Stimmung im Land ist nicht nur gespalten, sie ist auch kälter geworden.
Aber das ist alles auch verständlich. Die Preise schießen von Woche zu Woche in die Höhe, ebso die Arbeitslosigkeit. Jeder bangt um seinen Job, denn wenn die einen arbeitslos werden, dann können die anderen mit ihrem Geschäft irgendwann auch nichts mehr verdienen. Mehrfach die Woche liest man das Restaurantketten sich versuchen gesund zu schrumpfen. Das Wort Bankrott ist ständig in den Nachrichten. Auf der anderen Seite finden Farmer keine Erntehelfer, weil keiner mehr da ist.
Diese sieben Jahre haben soviel an Höhen und Tiefen gehabt, es gab so viele Veränderungen. Vieles steht noch auf unserer To Do Liste, einiges wurde wieder gestrichen, anderes kam dazu. Auf Grund der Lage und unserer Situation haben wir die Priorität neu gesetzt, sodass wir wieder offen für Veränderungen sind. Auch wenn das Alter und die Gesundheit etwas bremst, stoppen lassen wir uns nicht.
Wie sagte schon Walt
If you can dream it, you can do it
Also werden wir weiter träumen und unseren Träumen folgen.
Bis dahin eure Carmen
Tudellu